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Neom
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Neom (arabisch ÙÙÙÙ
Niyum, DMG NiyĆ«m, Eigenschreibweise NEOM) ist ein von der Regierung Saudi-Arabiens projektiertes, im Bau befindliches Siedlungsprojekt ursprĂŒnglich auf einer FlĂ€che von 26.500 kmÂČ. Es liegt im Nordwesten des Landes unweit des Golfs von Akaba an der KĂŒste des Roten Meeres. Neom wurde 2017 vorgestellt und ist Teil des Projekts Saudi Vision 2030. UrsprĂŒnglich hatte Neom vier rĂ€umlich getrennte Bauprojekte umfasst; 2023/24 stieg deren Zahl auf 15. Das Hauptprojekt war die bis 2045 als 170 km lange Bandstadt mit neun Millionen Einwohnern geplante âThe Lineâ. Die Projektziele fĂŒr The Line galten auslĂ€ndischen Beobachtern zufolge bereits frĂŒh als gescheitert und wurden von der saudischen Regierung Anfang Oktober 2025 verworfen.cite-ref-11-1-0[1]cite-ref-12-2-0[2] Weitere, zum Teil fortgefĂŒhrte Projekte sind u. a. die Ferienresorts âSindalahâ und âTrojenaâ.
Initiiert wurde das Projekt durch Kronprinz Mohammed bin Salman. Das Projekt war Gegenstand mehrerer Kontroversen um negative Umweltauswirkungen und vor allem um Menschenrechte, bei denen es um die Vertreibung der lokalen Bevölkerung, Todesstrafen, eine missbrĂ€uchliche Arbeitskultur und den Einsatz von Ăberwachungstechnologien ging.
Contents
âą Etymologie
âą Hintergrund
âą Geschichte
âą Landverkehr
âą Luftverkehr
âą Rezeption
âą Kritik
âą Siehe auch
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
Etymologie
Der Name âNeomâ ist ein Kofferwort; die ersten drei Buchstaben bilden die Vorsilbe neo (altgriechisch ΜÎÎżÏ nĂ©os, deutsch âneuâ-), und das âmâ steht sowohl fĂŒr den Namensanfang des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman als auch fĂŒr den ersten Buchstaben des Wortes fĂŒr âZukunftâ (arabisch Ù
ŰłŰȘÙŰšÙ, transkribiert: mustaqbal, Hejazi-Aussprache: [mÊsËtaÉĄbal]).cite-ref-4[4]cite-ref-0-5-0[5]
Hintergrund
PlanstĂ€dte gab es in vielen Epochen der Geschichte der Menschheit, sie finden sich in der griechischen Antike, im alten China, in den spanischen KolonialstĂ€dten des 16. Jahrhunderts ebenso wie in den Zentren vieler GroĂstĂ€dte der heutigen USA.
Auch in Saudi-Arabien ist es nicht das erste Mal, dass man sich zum Aufbau einer Planstadt verpflichtet hat: Zum Zeitpunkt der Projektvorstellung waren weitere vier MegastÀdte im Bau, darunter die King Abdullah Economic City (KAEC).
Geschichte
FĂŒr Neom ist ein 26.500 Quadratkilometer groĂes Gebiet vorgesehencite-ref-6[6] (etwas weniger als die FlĂ€che Belgiens), das im Nordwesten des Landes am Roten Meer und an der Grenze zu Ăgypten und Jordanien liegt. Neom soll eine unabhĂ€ngige Wirtschaftszone werden, die ĂŒber ein eigenes Rechts- und Steuersystem verfĂŒgt, aber politisch nicht souverĂ€n ist.cite-ref-7[7]
Neom soll seinen Energiebedarf ausschlieĂlich aus Wind- und Sonnenkraft speisen. Das Projekt hat zum Ziel, die Wirtschaft Saudi-Arabiens unabhĂ€ngiger vom Ăl zu machen. 2025 soll der erste Bauabschnitt fertiggestellt sein. Dienstleistungen und Standardprozesse sollen âzu 100 Prozent automatisiertâ sein und âvon Robotern ausgefĂŒhrtâ werden.cite-ref-8[8]cite-ref-9[9]
FĂŒr Neom sind Stand 2017 Investitionen in Höhe von bis zu 500 Milliarden US-Dollar vorgesehen, fĂŒr die Saudi-Arabien garantiert.cite-ref-10[10] Ein GroĂteil des Geldes soll vom saudischen Staatsfonds PIF (Public Investment Fund) kommen. Zur Finanzierung beitragen soll auch der Börsengang von Saudi Aramco.cite-ref-11[11] Ein Ziel des Projekts ist es, auslĂ€ndisches Kapital und Investoren in das Königreich zu holen; dafĂŒr sollen entsprechend HĂŒrden abgebaut werden.cite-ref-12[12] Gefördert werden sollen neue Ăkonomiebereiche, um die Wirtschaft auf eine breitere Grundlage zu stellen â darunter Biotechnologie, Energie und Wasser sowie die mediale Entwicklung.cite-ref-13[13]
Der deutsche Manager Klaus Kleinfeld war von Herbst 2017 bis August 2018 an der Spitze des Projekts Neom zustÀndig, wo er als persönlicher Berater des Kronprinzen Mohammed bin Salman fungierte. Im August 2018 wurde er zum Chef des Verwaltungsrates von Neom berufen (Stand 2018).cite-ref-14[14]cite-ref-15[15]cite-ref-16[16] Am 3. Juli 2018 wurde Kleinfeld als neuer Berater von Muhammed bin Salman ab dem 1. August 2018 bekannt gegeben. Nadhmi Al-Nasr wurde ab dem 1. August 2018 sein Nachfolger als neuer Direktor von Neom.cite-ref-17[17]
Am 29. Januar 2019 kĂŒndigte Saudi-Arabien die GrĂŒndung einer geschlossenen Aktiengesellschaft mit dem Namen NEOM an. Das Ziel dieses Unternehmens, das sich zu 100 Prozent im Besitz des Staatsfonds Public Investment Fund (PIF) befindet, ist die Entwicklung der neuen Wirtschaftszone Neom, fĂŒr deren Entwicklung 500 Milliarden US-Dollar aufgebracht werden sollen.cite-ref-18[18]
Im Juni 2019 wurde der Flughafen Neom eröffnetcite-ref-chaviation-19-0[19] und Linienverbindungen nach Riad und al-Wadschh aufgenommen.cite-ref-20[20] Erste Erdbauarbeiten fĂŒr The Line begannen im November 2021cite-ref-21[21] und im MĂ€rz 2022 grĂŒndete NEOM das Unternehmen Enowa zur Entwicklung von erneuerbaren Energien, grĂŒnem Wasserstoff und abfallfreier Entsalzung.cite-ref-22[22]cite-ref-23[23]
greenAm 29. MĂ€rz 2022 erfolgte ebenfalls die Grundsteinlegung fĂŒr die Anlage der NEOM Green Hydrogen Company zur Herstellung von grĂŒnem Wasserstoff und Ammoniak. Die Leitung des Projektes, fĂŒr dessen Realisierung fĂŒnf Milliarden US-Dollar veranschlagt sind, hat der niederlĂ€ndische Manager Peter Terium (Stand 2022).cite-ref-wiwo-24-0[24]
2023 und 2024 wurden elf weitere Bauprojekte fĂŒr Neom vorgestellt: Leyla,cite-ref-25[25] Epicon,cite-ref-6-26-0[26] Siranna,cite-ref-7-27-0[27] Utamo,cite-ref-8-28-0[28] Norlana,cite-ref-10-29-0[29] Aquellum,cite-ref-30[30] Zardun,cite-ref-9-31-0[31] Xaynon,cite-ref-32[32] Elanan,cite-ref-33[33] Gidoricite-ref-34[34] und Treyam.cite-ref-35[35]
Im April 2024 wurden Berichte veröffentlicht, dass bis zum Jahr 2030 nur etwa 2,5 Kilometer von The Line fertiggestellt werden können und weniger als 300.000 Menschen die beiden GebÀude dann beziehen können.cite-ref-36[36]cite-ref-37[37] Im Februar 2024 begann Saudi-Arabien, Kredite zur Finanzierung aufzunehmen, zudem sollen islamische Anleihen (Sukuk) ausgegeben werden.cite-ref-38[38]
Mit der "Moses Bridge (deutsch "Moses-BrĂŒcke") soll ein weiteres Bauprojekt entstehen, das Ăgypten ĂŒber den Golf von Akaba mit Saudi-Arabien verbindet und direkt zu The Line fĂŒhrt. Sie wĂŒrde eine InterkontinentalbrĂŒcke zwischen Afrika und Asien darstellen. Das rund vier Milliarden Dollar teure Bauvorhaben wird vollstĂ€ndig von Saudi-Arabien finanziert. Der Name des Projekts spielt auf die biblische ErzĂ€hlung an, wonach das Rote Meer beim Exodus unter FĂŒhrung Moses geteilt worden sei.cite-ref-39[39]
Anfang Oktober 2025 berichtete Blick, der saudische Staatsfonds habe die Ausgaben fĂŒr die Teilprojekte The Line und Magna vorlĂ€ufig gestoppt. In der NZZ wurde dazu vermerkt, dass das Vorhaben zu gigantisch sei, um in absehbarer Zeit fertig erstellt zu werden.cite-ref-40[40] Ein Augenmerk liege nun auf der Fertigstellung des Bergresorts Trojena. Auch nach einem alternativen Austragungsort der FuĂball-Weltmeisterschaft 2034 anstelle des in The Line geplanten Stadions werde gesucht. Insgesamt soll der Wertverlust Neoms bis zur Intervention umgerechnet rund 37,5 Milliarden Euro betragen haben.cite-ref-11-1-1[1]cite-ref-12-2-1[2]
Siedlungsprojekte
Initiierung der Projekte (2017)
Neom Bay
Neom Bay sollte nach ursprĂŒnglichen PlĂ€nen eine Stadtcite-ref-41[41] am Golf von Akaba und der erste realisierte Teil von Neom werden. Einige Vorhaben wurden bereits realisiert, darunter der Flughafen Neomcite-ref-chaviation-19-1[19], ein Krankenhaus und ein Golfplatz. Das Projekt wird zurzeit nicht mehr vermarktet.
Oxagon
Oxagon (ursprĂŒnglich Neom Industrial City genannt) ist das Projekt eines teilweise schwimmenden Industriekomplexes in Form eines Achtecks (Oktagon). Er soll etwa 25 Kilometer nördlich der Hafenstadt Duba liegen und sich ĂŒber eine FlĂ€che von etwa 200â250 Quadratkilometern erstrecken, von denen etwa 40 Quadratkilometer die Stadt bilden sollen.cite-ref-42[42] Der Schwerpunkt des Projekts liegt auf moderner Fertigung, industrieller Forschung und Entwicklung sowie dem Ausbau des Hafens von Duba.cite-ref-43[43] Die PlĂ€ne fĂŒr den Komplex umfassen eine Meerwasserentsalzungsanlage, ein Wasserstoffwerk und ein ozeanographisches Forschungszentrum.cite-ref-44[44] Hier wird auch das kognitive multinationale Unternehmen Tonomus (ursprĂŒnglich NEOM Tech & Digital Company) angesiedelt sein, das als erstes Tochterunternehmen aus der NEOM hervorgegangen ist.cite-ref-45[45]
The Line
â
Hauptartikel
:
The Line (Saudi-Arabien)
Im Januar 2021 wurde The Line vorgestellt. Geplant war ursprĂŒnglich eine 170 km lange Bandstadt fĂŒr eine Million Einwohner. Oberhalb eines schnurgeraden unterirdischen Verkehrswegs, der nur von einer Hochgeschwindigkeits-U-Bahn sowie autonom fahrenden Fahrzeugen befahren werden soll, sollten âcity modulesâ entstehen, innerhalb derer kein FuĂweg lĂ€nger als fĂŒnf Minuten dauern soll. Oberirdischer Verkehr sollte FuĂgĂ€ngern und Radfahrern vorbehalten bleiben. Eine Reise mit der U-Bahn soll von einem Ende zum anderen in 20 Minuten möglich sein.cite-ref-46[46]cite-ref-47[47] Im Juli und August 2022 wurde ein Entwurf veröffentlicht, der den Ansatz der verbundenen âcity modulesâ verwirft und ein einziges, 170 km langes, 500 m hohes und 200 m breites GebĂ€ude vorsieht, das Platz fĂŒr nun neun Millionen Menschen bieten sollte. Dabei fand die siedlungsuntypische lĂ€ngliche Ausdehnung mit erhöhten Verbindungszeiten besondere Aufmerksamkeit.cite-ref-48[48] Motorisierten Individualverkehr sollte es nicht mehr geben; alle Wege sollen zu FuĂ, mit AufzĂŒgen oder mit der U-Bahn im FuĂ des GebĂ€udes erledigt werden.cite-ref-49[49]cite-ref-50[50] Im Jahr 2024 wurde publik, dass die LĂ€nge der Stadt auf 2,4 Kilometer abgeĂ€ndert wurde.cite-ref-51[51]cite-ref-52[52]
Sindalah
â
Hauptartikel
:
Sindalah
Im Dezember 2022 kĂŒndigte Neom PlĂ€ne fĂŒr Sindalah an, einen 1.100.000 Kubikmeter groĂen Luxusresortkomplex vor der KĂŒste der Stadt,cite-ref-3-53-0[53] der ĂŒber einen Yachthafen mit 86 LiegeplĂ€tzen und drei Luxushotels verfĂŒgen und tĂ€glich bis zu 2400 Besucher beherbergen könnte.cite-ref-54[54]cite-ref-3-53-1[53]
Trojena
â
Hauptartikel
:
Trojena
Unter dem Namen Trojena (arabisch ŰȘ۱ÙŰŹÙÙۧ) soll ein Winter- und Bergsport-Resort auf einer Höhe von 1500 bis 2600 Metern ĂŒber dem Meer entstehen. Trojena liegt etwa 50 km von der KĂŒste entfernt und soll eine FlĂ€che von 57 kmÂČ einnehmen.cite-ref-55[55] Die Winter-Asienspiele 2029 sollen in Trojena abgehalten werden. Die Vergabe an die Retortenstadt erfolgte im Oktober 2022 durch das asiatische Olympia-Komitee.cite-ref-56[56] Dazu soll die Stadt bis 2026 fertiggestellt werden.cite-ref-57[57]
Landwirtschaft
Neom plant, 6500 Hektar des umliegenden Landes in landwirtschaftliche NutzflĂ€chen umzuwandeln und dabei in hohem MaĂe auf gentechnisch verĂ€nderte Nutzpflanzen zu setzen.cite-ref-58[58]cite-ref-59[59]
Projekterweiterung (2023/2024)
Aquellum
Im Januar 2024 kĂŒndigte Neom Aquellum an, eine âunterirdische, digitalisierte Gemeinschaft der Zukunftâ, die âdie architektonischen Prinzipien umkehren wird, um sich in die Natur zu integrierenâ. Das als âumgedrehter Wolkenkratzerâ beschriebene GebĂ€ude wird in einen 450 m hohen Berg gegraben und ĂŒber einen Unterwasserplatz zugĂ€nglich sein.cite-ref-60[60]
Epicon
Das am Golf von Akaba geplante Luxushotel Epicon soll aus zwei futuristischen TĂŒrmen bestehen, von denen einer 225 Meter und einer 275 Meter hoch sein wird. Die TĂŒrme sollen 41 Zimmer mit 14 Suiten und Apartments umfassen. Nicht weit vom Hotel entfernt ist das Epicon-Resort mit 120 Zimmern und 45 Strandvillen geplant.cite-ref-6-26-1[26]
Leyja
Leyja ist ein geplantes Tourismusprojekt bei dem, nach Angaben der Saudi Press Agency 95 Prozent der FlĂ€che von Leyja als Naturraum erhalten bleiben.cite-ref-61[61] Leyja umfasst insgesamt drei Hotels, mit 120 Boutique-Zimmern und Suiten die gleichmĂ€Ăig auf die HĂ€user verteilt sind. Die drei Hotels sind das Oasis Hotel, das Wellness Hotel und das Adventure Hotel das vom niederlĂ€ndischen Architekten BĂŒro Office for Metropolitan Architecture (OMA) entworfen wurde.cite-ref-62[62]
Norlana
Norlana ist âeine hochmoderne Lifestyle-Gemeinschaftâ, die am Golf von Akaba liegen soll. In ĂŒber 700 Luxusimmobilien sollen 3000 Menschen Platz finden. AuĂerdem soll es dort einen Yachthafen geben, einen Golfplatz und viele andere Möglichkeiten, besonders fĂŒr Wassersportarten.cite-ref-10-29-1[29]
Sirana
Das ebenfalls an der KĂŒste des Golfs von Akaba geplante Luxus- und Wellnesshotel soll zwischen Felsformationen und der Bucht entstehen. Das GebĂ€ude aus sechseckigen SĂ€ulen wird 65 Zimmer und 35 Residenzen beherbergen.cite-ref-7-27-1[27]
Utamo
Geplant sind MehrzweckauffĂŒhrungsrĂ€ume, fĂŒr Musik, Theater, Ausstellungen sowie VIP-Lounges und Restaurants. FĂŒr die groĂe Halle ist ein 64 Meter hoher Eingang geplant.cite-ref-8-28-1[28]
Zardun
Auf einer FlĂ€che von vier Quadratkilometern ist die Restaurierung einer Oase und eine Aussichtsplattform geplant. AuĂerdem sind drei Boutique-Hotels mit insgesamt 100 Zimmern und Suiten sowie eine Vielzahl von Sport- und FreizeitaktivitĂ€ten vorgesehen.cite-ref-9-31-1[31]
ErschlieĂung und Infrastruktur
Landverkehr
Vorgesehen ist die Querung ĂŒber die StraĂe von Tiran mit einer BrĂŒcke zwischen den Inseln Tiran und Sanafir, die lange Zeit zwischen Saudi-Arabien und Ăgypten umstritten waren. Mit der BrĂŒcke entstĂŒnde eine Landverbindung von Nordafrika auf die Arabische Halbinsel und damit nach Vorderasien unter Umgehung Israels.cite-ref-63[63]
Luftverkehr
Der Flughafen Neom wurde bereits 2019cite-ref-64[64] eröffnet und ist an das nationale Flugnetz angebunden. Am 1. Dezember 2021 wurde bekannt, dass fĂŒr Neom bei der baden-wĂŒrttembergischen Firma Volocopter zehn Flugtaxis und fĂŒnf Schwerlastdrohnen bestellt wurden.cite-ref-65[65]
Wasserstoff- und Ammoniakgewinnung
Nach der Inbetriebnahme werden die Projektpartner der NEOM Green Hydrogen Company (NEOM, ACWA Power und Air Products & Chemicals) die Anlage betreiben, um Wasserstoff zu produzieren, der in den Anlagen von Air Products & Chemicals anschlieĂend zu Ammoniak synthetisiert wird, wobei kein Kohlendioxid in die AtmosphĂ€re emittiert wird (grĂŒnes Ammoniak).cite-ref-66[66] Die Anlage zur Produktion von 1,2 Millionen Tonnen grĂŒnem Ammoniak pro Jahr soll nach Herstellerangaben die Auswirkungen von fĂŒnf Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr neutralisieren. Die Aufnahme der Produktion ist fĂŒr 2026 geplant.
An der Anlage ist auch Thyssenkrupp Nucera beteiligt. Ab 2026 soll das Gas ĂŒber den Hafen von Duba exportiert werden.cite-ref-wiwo-24-1[24]
Rezeption
In einem Interview mit Deutschlandfunk Kultur bezeichnete Sebastian Sons von der Deutschen Gesellschaft fĂŒr AuswĂ€rtige Politik das Projekt als âVersuch, Saudi-Arabien in Bezug auf ModernitĂ€t und wirtschaftliche Entwicklung international in die âPole Positionâ zu rĂŒckenâ. Ein âneues Silicon Valleyâ solle entstehen. Das AusmaĂ des Projekts sei gigantisch.cite-ref-67[67]
Die Journalistin und Nahostexpertin Gudrun Harrer meint, dass man es trotz âPR-Maschinerieâ und wenig konkreter Angaben nicht als bloĂen Werbegag abtun könne, wenn der Kronprinz des streng salafistischen Königreichs erklĂ€re, âauf einen moderaten Islam setzen zu wollenâ.cite-ref-68[68]
Der Schweizer Journalist und Nahostexperte Fredy Gsteiger verweist darauf, dass es in Saudi-Arabien an eigenem Kapital, qualifizierten ArbeitskrĂ€ften und transparenten Standards fehle, um das Projekt zu realisieren. Nun solle âeine Art Hype kreiertâ werden, um auslĂ€ndische Investoren anzulocken. Ăhnliche GroĂprojekte wie Masdar in Abu Dhabi zeigten, dass dies scheitern könne.cite-ref-69[69]
Die Online-Redaktion der Zeit stellte 2018 fest, dass keine der sechs seit 2005 angekĂŒndigten saudischen RetortenstĂ€dte funktioniere und dass Mohammed bin Salman EinwĂ€nde von Kritikern kontert mit âNeom ist kein Ort fĂŒr konventionelle Leute und fĂŒr konventionelle Firmenâ und âHier entsteht ein Ort fĂŒr die TrĂ€umer von einer neuen Welt.âcite-ref-70[70]
Kritik
Hohe Sterblichkeitsraten
Bei Bauprojekten in Saudi-Arabien, die Teil der âSaudi Vision 2030â sind und auch die Megastadt NEOM umfassen, werden alarmierend hohe Sterblichkeitsraten unter auslĂ€ndischen Arbeitern aus LĂ€ndern wie Indien, Bangladesch und Nepal verzeichnet. Offiziellen Angaben zufolge werden 70 bis 80 Prozent der TodesfĂ€lle als ânatĂŒrliche Ursachenâ klassifiziert. Untersuchungen und Berichte von Menschenrechtsorganisationen zeichnen jedoch ein anderes Bild.cite-ref-71[71] Eine ITV-Dokumentation aus dem Jahr 2024 berichtet von etwa 21.000 TodesfĂ€llen unter auslĂ€ndischen Arbeitern seit Baubeginn im Jahr 2017. Zudem sollen rund 100.000 Arbeiter als vermisst gelten. Arbeiter berichten von extremen Bedingungen, wie 16-Stunden-Arbeitstagen an 14 aufeinanderfolgenden Tagen bei Temperaturen von bis zu 50 °C. Viele fĂŒhlen sich wie âgefangene Sklavenâ und mĂŒssen hohe Geldstrafen zahlen, um ihre ArbeitsverhĂ€ltnisse beenden zu können.cite-ref-72[72]cite-ref-73[73]cite-ref-74[74]cite-ref-75[75]
Regierungsquellen aus den HerkunftslĂ€ndern der Arbeiter bestĂ€tigen, dass ein GroĂteil der TodesfĂ€lle als ânatĂŒrlichâ eingestuft wird: Indien: 74 Prozent von 1.420 TodesfĂ€llen, die 2023 bei der indischen Botschaft in Riad registriert wurden. Bangladesch: 80 Prozent von 887 TodesfĂ€llen in den ersten sechs Monaten des Jahres 2024.cite-ref-76[76] Zwischen 2008 und 2022 starben laut Regierungsangaben aus Bangladesch mehr als 13.685 ihrer StaatsbĂŒrger in Saudi-Arabien.cite-ref-77[77]cite-ref-78[78] Nepal: 68 Prozent von 870 TodesfĂ€llen zwischen 2019 und 2022. Human Rights Watch dokumentierte FĂ€lle, in denen Arbeiter an ihrem Arbeitsplatz zusammenbrachen und spĂ€ter starben, deren Tod aber offiziell nicht als arbeitsbedingt galt.cite-ref-79[79]cite-ref-80[80]
Zwangsumsiedlung und Todesstrafen
Die PlÀne zum Bau von NEOM sehen die Zwangsumsiedlung von ca. 20.000 alteingesessenen Beduinen vor; viele protestierten gegen das Vorhaben. Medien berichten von Umsiedlungen, immer mehr Stammesangehörige setzten sich zur Wehr. Die saudische Menschenrechtsorganisation Alqst berichtet von mehreren Verhaftungen von Beduinen, die sich weigerten, ihre HÀuser zu verlassen.cite-ref-1-81-0[81]cite-ref-2-82-0[82]
Besonders öffentlichkeitswirksam ging Abdulrahim al-Howeiti vor, der sich in einer Videobotschaft an seine Landsleute wandte â seine Heimat stehe zum Verkauf. Kurz darauf wurde er von RegierungskrĂ€ften getötet. Abdulrahim gehörte dem al-Howeitat-Stamm an, der seit Jahrhunderten den SĂŒdwesten Jordaniens, den Sinai und den Nordwesten Saudi-Arabiens besiedelt. In einem Video erzĂ€hlt er, dass seine Heimatstadt Al-Khuraybah als eine der ersten weichen solle. Er sprach von âZwangsumsiedlungâ und âStaatsterrorâ und rechnete mit Mohammed bin Salmans Herrschaft ab: Die einheimische Bevölkerung mĂŒsse verschwinden, um ĂŒber einer Million AuslĂ€ndern ein Luxusleben zu ermöglichen.cite-ref-83[83] Seitdem reiĂt die Kritik an den Behörden nicht ab. Die Menschenrechtsorganisation Alqst wirft ihnen vor, die Ermordung âzu vertuschenâ, indem sie Mitglieder seines Stammes mit fĂŒnfstelligen Summen bestechen, um ihn zu verleugnen und âihre Treue zu erneuernâ.cite-ref-1-81-1[81]cite-ref-2-82-1[82]
Seit Anfang 2021 wurden mehrere Dörfer in der Gegend ganz oder teilweise abgerissen und die Bewohner zwangsumgesiedelt.cite-ref-wiwo-24-2[24] 2022 wurden drei protestierende Bewohner zum Tode und weitere zu teils extremen Haftstrafen bis zu 50 Jahren verurteilt.cite-ref-84[84]cite-ref-85[85]cite-ref-5-3-1[3] Der Bruder eines Verurteilten wurde bereits im April 2020 von saudischen SpezialkrÀften in seinem Haus erschossen, als er sich gegen die RÀumung wehrte.cite-ref-86[86]
Im Mai 2023 verurteilte die saudi-arabische Regierung sechs Mitglieder des Stammes der Howeitat wegen ihres Widerstands gegen die geplante Stadtentwicklung wegen Terrorismus. Drei der Verurteilten empfingen die Todesstrafe, wĂ€hrend die anderen drei zu Haftstrafen zwischen 27 und 50 Jahren verurteilt wurden. UN-Sonderberichterstatter, die im Auftrag des Amtes des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen fĂŒr Menschenrechte tĂ€tig sind, bestreiten die Richtigkeit der Anklagen und der Verurteilung und erklĂ€ren, dass die MĂ€nner âwegen Widerstands gegen ZwangsrĂ€umungenâ verhaftet wurden, und behaupten, dass die Inhaftierten gefoltert wurden.cite-ref-87[87]
Siehe auch
:
The Line (Saudi-Arabien)#Enteignung, Vertreibung, Verfolgung, EntfĂŒhrung und Tötung von Indigenen
Unternehmenskultur
Im Mai 2022 berichteten ehemalige Mitarbeiter laut The Wall Street Journal (WSJ), dass der GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Neom-Projekts, Nadhmi al-Nasr, eine Unternehmenskultur gefördert habe, die âAuslĂ€nder erniedrigte, ĂŒberzogene Forderungen beinhaltete und Diskriminierung am Arbeitsplatz nicht bekĂ€mpfteâ. Nasr, der zum Leiter von Neom ernannt worden war, wurde laut Aussagen von aktuellen und ehemaligen Mitarbeitern beschuldigt, seine Angestellten mit VorwĂŒrfen ĂŒberhĂ€uft und eingeschĂŒchtert zu haben. Im Jahr 2022 wurden zwei Siedlungsprojekte zusammengelegt, wĂ€hrend bei den drei verbleibenden Projekten die im Ausland tĂ€tigen FĂŒhrungskrĂ€fte gingen und die leitenden Angestellten ausgetauscht wurden.cite-ref-88[88]
Im September 2024 berichteten WSJ und andere Medien erneut von Verfehlungen des Managements, insbesondere des Public-Affairs- und Marketing-Teams um Wayne Borg, und von rassistischen ĂuĂerungen gegenĂŒber direkten Angestellten und sonstigen Mitarbeitern, sowie eine Ignoranz gegenĂŒber der Kenntnis wiederkehrender TodesfĂ€lle und Hierarchien zuungunsten der lokalen Arbeiter.cite-ref-89[89]
Asiatische Winterspiele 2029
Im Oktober 2022 wurde Neom als Austragungsort der Asiatischen Winterspiele 2029 bekannt gegeben, eine Entscheidung, die wegen ihrer negativen Umweltauswirkungen kritisiert wurde.cite-ref-4-90-0[90] Angesichts der zunehmenden Besorgnis ĂŒber die globale ErwĂ€rmung warf das Projekt zahlreiche Fragen auf, die von den zu erwartenden hohen Temperaturen in der WĂŒste ĂŒber die Auswirkungen auf die Energieversorgung und die Umleitung der lokalen Wasserressourcen bis hin zum Bau von kĂŒnstlichen Skipisten reichten. Raphael Le Magoariec, ein Politikwissenschaftler und Spezialist fĂŒr die Geopolitik des Sports in den Golfstaaten, sagte, dass Riad âvor allem seine Stadt der Zukunft fördernâ wolle.cite-ref-4-90-1[90]
Digitale Ăberwachung
Die schlechte Menschenrechtsbilanz Saudi-Arabienscite-ref-91[91] und der Missbrauch von Spionagecite-ref-92[92] und Ăberwachungstechnologie zum Ausspionieren seiner BĂŒrger, die in deren PrivatsphĂ€re und Sicherheit eingreift, erwiesen sich nach Ansicht von Experten fĂŒr digitale Rechte jedoch als Hindernis in dieser Situation. Der Forscher Vincent Mosco, der sich mit den sozialen Auswirkungen der Technologie befasst, erklĂ€rte: âDie Bedenken hinsichtlich der Ăberwachung sind berechtigtâ und fĂŒgte hinzu, dass âes sich in der Tat um einen Ăberwachungsstaat handelt.â Das saudische Ministerium fĂŒr Kommunikation und Informationstechnologie reagierte nicht auf die Bitten von Experten fĂŒr digitale Rechte und Forschern um Stellungnahme.
Andere Kritikpunkte
Im Juli 2020 wurde ein Sponsoring der League-of-Legends-Europameisterschaft von der professionellen League-of-Legends-Community, einschlieĂlich Spielern und Mitarbeitern der Liga, kritisiert. Die Kritik konzentrierte sich auf Menschenrechtsverletzungen durch die saudische Regierung, insbesondere auf ihre Haltung zu LGBT-Rechten.cite-ref-93[93] Als Ergebnis der Kritik wurde das Sponsoring innerhalb weniger Stunden nach der AnkĂŒndigung abgesagt.
Einige der Illustrationen fĂŒr das Neom-Projekt stammten aus den Gardens by the Bay in Singapur, was Kommentatoren zu der Bemerkung veranlasste, dass âdie Verwendung einer tatsĂ€chlichen Aufnahme von Singapur zur Darstellung eines bevorstehenden Bauprojekts in Saudi-Arabien eine seltsame Wahl istâ.cite-ref-94[94]
Siehe auch
⹠Masdar City, StÀdtebauprojekt in Abu Dhabi (2006)
âą Neue Hauptstadt Ăgyptens (2016)
âą Akon City, Senegal (2020; aufgegeben)
âą Nusantara, die zukĂŒnftige Hauptstadt Indonesiens (2022)
Weblinks
Wikinews: Saudi-Arabien plant Mega-Stadt
â Nachricht
Commons
: Neom
â Sammlung von Bildern
âą Offizielle Website
âą Frank Gardner: Saudi tribe challenges crown prince's plans for tech city. BBC, 23. April 2020
âą Vertreibung fĂŒr die Mega-City Spiegel Online, 22. Juni 2020
âą Thoralf Cleven: Auf Sand gebaut: Was soll das Neom-Projekt fĂŒr 500 Milliarden US-Dollar? bei RND vom 4. Januar 2023
âą Auf saudischem Blut aufgebaut bei tagesschau.de vom 15. November 2023
âą Blut, Sand und Beton Audio-Beitrag vom Deutschlandfunk vom 20. Februar 2024
âą Mit offenen Daten Saudi-Arabien: Die Opfer von Neom, Stadt der Zukunft Videobeitrag von Arte vom 25. Juni 2024
âą TV-Doku berichtet ĂŒber 21.000 Tote bei Neom, golem.de, 1. November 2024
âą Der Standard: Wie die saudische Zukunftsstadt Neom scheiterte auf YouTube, 5. Dezember 2025.
Einzelnachweise
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28.00638888888935.2025coordinatesKoordinaten: 28° 0âČ N, 35° 12âČ O